Homepage
Homepage
Homepage
Homepage
Homepage
Homepage

Peter Jäger, geb. 3. Januar 1949 in Bad Gleisweiler in der Pfalz. Als letztes von 9 Kindern der Eltern Karl Jäger und Elisabeth geb. Lehmann.

Bad Gleisweiler Bergstrasse [Bild: Bad Gleisweiler, Blick auf Haus Bergstrasse 4, mein Geburtshaus]
1955 kehrte unsere Familie in die Kreisstadt Landau in der Pfalz zurück, die sie nach einem Bombenangriff und dem Verlust allen Hab und Gutes 1944 verlassen musste. Nur wenige Monate verbrachte ich, in der zwei Klassen starken Schule, in Bad Gleisweiler. 1959 durfte ich dann in das Naturwissenschaftliche Gymnasium gehen. Eigentlich war das eine ganz grosse Gelegenheit, denn keines meiner Geschwister hatte dies, auch des Geldes wegen, machen dürfen.

Ich sah dies allerdings damals ganz anders. Alle meine Geschwister waren bereits berufstätig oder hatten eine Ausbildungsstelle. Nur ich hatte noch keinen eigenen Verdienst. Um diesem Übel abzuhelfen, hatte ich grosse Unterstützung durch meine Geschwister. Jedenfalls hatte ich ständige irgendwelche Aushilfsjobs, so etwa ab einer Mark pro Stunde aufwärts. Zwar gab es jetzt schon richtig wohlhabende Mitschüler, aber mit selbst verdientem Geld konnte kaum keiner mithalten. Entsprechend stolz war ich jedenfalls. Nebenbei bemerkt, war dies die Zeit, wo man 3.- DM/Stunde auf dem Bau bezahlte. Das war soviel, dass sogar Schullehrer ins Baugewerbe wechselten.

Bis zur mittleren Reife hatte ich demnach nur ein halbherziges Interesse an schulischen Aufgaben. Es war eben doch reizvoll unter erwachsenen und gestandenen Männern in einem Baustoffhandel zu arbeiten oder Sterholz von Hand zu Laden und dann am Abend kaputt und müde, aber stolz, ins Bett zu fallen. Was war da schon das Lernen von französischen Vokabeln dagegen ?

Mein Bruder Ernst, zu dieser Zeit bei der Stadt Landau im Gartenamt beschäftigt, hatte nach einem Unfall eine Behinderung davon getragen, die ihm zeitlebens eine grosse Bürde war. Er sprach davon kaum, aber es war mit ein Grund, dass er sich ganz intensiv mit allen Fragen des Gartenbaues, der Pflanzen und der Tierhaltung auseinander setzte. Ein, bereits von unserem Vater erworbener Garten am Stadtrand, wurde durch Zuerwerb weiterer Flächen durch meinen Bruder zu einem regelrechten Refugium. Es gab praktisch kein Klein- oder Haustier, das hier nicht gehalten wurde. Diese Begeisterung steckte mich auch an und war letztlich dafür verantwortlich, dass ich das Gymnasium mit der mittleren Reife (gerne) verließ und eine landwirtschaftliche Lehre antrat, mit dem Ziel einmal "staatlicher geprüfter Landwirt" zu werden.

Die landwirtschaftliche Lehre habe ich dann in zwei Jahren auf der Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt Neumühle bei Winnweiler in der Pfalz abgelegt. Es waren, im Rückblick, mit die schönsten und unbeschwertesten Jahre in meinem Leben. Der Ausbildungsmeister (Wirtschaftsinspektor) Hans Hezel mit seiner Frau, hatte uns Lehrlinge voll eingegliedert. Jedes zweite Wochenende dann den üblichen Stalldienst zu machen, war selbstverständlich.

1967 starb mein Vater. In diesem Jahr lernte ich dann Brigitte Ritzmann vom Kahlheckerhof bei Winnweiler kennen, die ich 1970 heiratete. Das Studium der Landwirtschaft in Bad Kreuznach lief eigentlich problemlos. Jetzt wusste ich, wofür etwas gut war und strengte mich auch an. Die wilden 68 er haben uns kleine Studentenstreiks beschert. Einige Tage habe ich davon als Aushilfe im Bad Kreuznacher Krankenhaus verbracht. Unterm Strich sollte es jedenfalls eine einheitliche Anerkennung des Agraringenieurstudiums in den europäischen Ländern geben. Auch das Studium hat, bei nachträglicher Betrachtung, seine Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass dauerhafte und bis heute fortdauernde Freundschaften entstanden sind, auch menschlich grossartige Verhaltensweisen der damaligen Professoren haben viele von uns geprägt.

Mit dem Übergang der Ausbildungsformen zum Ing. grad (graduierter Ingenieur) auf eine sechs Semester dauernde Ausbildung musste eine Übergangslösung geschaffen werden. Diese führte dazu, dass unser Jahrgang, das erste und zweite Semester in einem Abwasch durchziehen konnte. Ich war gerade mal 21 Jahre alt und hatte den Ing.grad. (Ich glaube ich war der Jüngste) im Jahre 1970 in der Tasche.

Dann ging es noch mal Schlag auf Schlag. Um den 20. Juli 1970 Abschlussprüfung und Verabschiedung, 5 Tage später geheiratet, 5 Tage Hochzeitsreise in den hessischen Odenwald und am 1. August 1970 als technischer Assistent am damaligen Max-Plack-Institut für Landarbeit und Landtechnik von Prof. Gerhard Preuschen. Prof. Preuschen sollte sich, nebenbei bemerkt, in seinen späteren Jahren besonders für die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft stark einsetzen. Mit Dr. W. Rüprich hatte ich wieder einen tollen Chef gefunden. Von Anfang an durfte ich gute Ideen umsetzen und bekam dafür auch die volle Unterstützung. In diese Zeit fielen auch meine ersten Kontakte zur EDV, der elektronischen Datenverarbeitung. Nach einem Volkshochschulkurs durfte ich dann mit den Wissenschaftlern zum Rechenzentrum in Darmstadt fahren. So bekannte Leute, wie der Mathematiker Blechstein, der aus den USA gerade zurückgekehrte Prof. Hesselbach, die Arbeitswissenschaftler Dr. Hammer und Brundke setzen damals diese Technik für umfangreiche Studien ein. Hier lernte ich die Bedienung von Terminals erstmals kennen. Lochkarten- und Lochstreifen - Maschinen waren das absolute Non-plus-Ultra und die Nächte dauerten meist bis weit nach Mitternacht. Kurz entschlossen und mit Unterstützung meines Chefs ließ ich mich in einem Wahnsinns - Tempo am Control Data Institut in Frankfurt in verschiedenen Programmiersprachen ausbilden.

1973 folgte mein Chef Dr. Rüprich einem Ruf an die Hochschule nach Stuttgart - Hohenheim. Gerne wollte er mich zum Hochschul-Studium mitnehmen und mich bei der Job-Suche unterstützen. Mein Verlangen nach Unabhängigkeit aber überwog. Da kam die Anfrage von Dr. Martin Brundke, der bereits beim KTBL in Frankfurt tätig war, gerade recht. Es selbst hatte gerade eine Ausbildung in System-Analyse, ebenfalls bei Control Data, absolviert und nun sollten in einem groß angelegten, von der Bundesregierung und den Bundesländern finanzierten Arbeitsprogramm, einheitliche Planungsdaten mit Hilfe der EDV verfügbar gemacht werden. Man suchte dafür auch einen Programmierer. Dass die Wahl auf mich fiel, freut mich noch heute. Es folgten die produktivsten Jahre meines Arbeitslebens.

Als erste grosse Aufgabe galt es, verschiedene, an den wissenschaftlichen Hochschulen entwickelte EDV - Programme einem groesseren Anwender- und Nutzerkreis dienlich zu machen. Noch bestanden diese Software - Produkte aus Stapeln von hunderten und tausenden von Lochkarten oder Kuchenteller-grossen Magentbändern. Aber bereits die Berechnung einer riesigen Menge von Kennzahlen für gedruckte Taschenbücher und Datensammlungen versetzten die Fachwelt in Erstaunen. Die EDV - Technik entwickelte sich bereits in einem Tempo, das selbst unter heutigen Verhältnissen nur als atemberaubend bezeichnet werden kann. Plattentürme von der Größe einer grossen Tiefkühltruhe zeigten bereits wo der Weg hinführt. Für meine damalige Sicht, war die benutzte Telefunken - Anlage TR440 eine der fortschrittlichsten Technologien überhaupt. Die Kommandosprache war beeindruckend einfach und trotzdem absolut zuverlässig. Die Steuersprache (Job Control Language JCL), die dann für die IBM erlernt werden musste, war dagegen weit von Benutzerfreundlichkeit entfernt.

Das Teletype (Fernschreiber-) Terminal mit seinem Wahnsinns - Geknatter wurde Ende der 70 er von den ersten Bildschirm-Terminal abgelöst. Datentransfers mit 1200, dann 2400 bit pro Sekunde waren schon Spitzenleistungen. Wenn ich mic
h recht besinne, kostete eine damit fest geschaltete (Stand-) Leitung von Darmstadt nach München damals einige zig tausend Mark. Wie anfällig diese Technik sein konnte, zeigt folgende Geschichte:
Die landwirtschaftliche Ausstellung der deutschen Landwirtschafts - Gesellschaft (DLG) findet in München statt. Da wir zu jener Zeit, bereits das damals fortschrittlichste IBM Rechenzentrum beim Staatsministerium in München mit benutzen, erhalten wir in einem gesonderten Pavillion ein oder zwei Terminals um EDV - Programme des KTBL den Messebesuchern vorstellen zu können. Nach anfänglich erfolgreichem Betrieb, brechen die Leitungsverbindungen komplett zusammen. Eine fieberhafte Ursachenforschung beginnt an den Stationen auf dem Messegelände und im Rechenzentrum. Erst nach mehreren Tagen entdecken wir, dass an einer Leitungs - Umschaltdose die durch das Zelt mit dem landwirtschaftlichen Nutztieren führt, durch ein unachtsames Umtreten eines Kippschalters die Leitungen unterbrochen waren. In diese Zeit fallen die Entwicklung und Weiterentwicklung der Grossrechner - Programme.

Bereits damals gab es eine Software zur Berechnung der Kosten landwirtschaftlicher Maschinen. Daneben gab es aber auch ein Programm, mit dem man den Zeitbedarf errechnen konnte, den eine landwirtschaftliche Arbeit benötigte um beispielsweise einen Acker zu pflügen. Für mich war es naheliegend, dass beide Fragenstellungen zusammen gelöst werden sollten. Also versuchte ich, all jene Daten an das einzelne Gerät zu binden, das für dieses typisch ist. In der zweiten Stufe musste ein Weg gefunden werden, diese Daten in geeigneter Form zusammen zu führen. Das Ergebnis war die Bildung von Datenbeständen mit Daten für die KOSTEN und die ZEITELEMENTE zu landwirtschaftlichen Maschinen. Dieses System ist auch heute noch mit diesen grundlegenden Strukturen im Gebrauch.
Minister Kiechle auf dem Messestand des KTBL, 1987 [Bild: Bundeslandwirtschaftsminister Ignaz Kiechle (rechts) lässt sich im Beisein des DLG-Präsidenten und ehemaligen Landwirtschaftsministers Josef Ertl (links) und Dr. Martin Brundke die Computerberechnungen erläutern, Agritechnica Messe 1987]

Als eine grosse Anwendung ist mir die Berechnung umfangreicher Flurbereinigungsmassnahmen aus Rheinland - Pfalz in Erinnerung. In mühsamer Arbeit wurden die Daten von Flurbereinigungsbehörden und Beratungsstellen auf Formblättern erfasst, auf Lochkarten gestanzt, vom Computer berechnet und dicke Stapel mit Computerergebnissen zusammengestellt.

Revolutionär war das Auftauchen der ersten Personalcomputer. Die ersten Geräte kamen aus den Schmieden der Gross - EDV, wie IBM, Siemens usw. und hatten entsprechende Preise. Aus meiner Erinnerung kostete der erste von uns gekaufte PC von IBM, ausgestattet mit einer SNA - Netzwerkkarte zum Anschluss an den Gross-Rechner mit 64 KB Speicher, 10 MB Festplatte und 360 KB ( 5 1/2 Zoll) Disketten - Laufwerk etwa 35.000 DM. In dieser Zeitspanne vollzogen sich die Technologie-Sprünge in atemberaubendem Tempo. Das IBM Datenbank System IMS kam zum Einsatz, die aufkommende BTX - Technik wurde damit verbunden. Hunderte von Landwirten wurden mit dieser Technik ausgestattet, um den Technologie - Sprung zu schaffen. Regierungen, Verwaltungen und Industrie - Unternehmen setzen auf die, damals preiswerte Jedermann - Technik, obwohl die Verfügbarmachung erhebliche Finanzierungen erforderten. Im Nachgang betrachtet, haben aber jene Erfahrungen auch dazu beigetragen, die heute verfügbaren Leistungen des Internet vernünftig einzuordnen, den ökonomischen Wert und Vorteil zu bestimmen und mit rationalem Vorgehen geholfen, grössere Fehler zu vermeiden.

Die Aera des Betriebssystems DOS (Disk Operating System) ist sukzessive ein Abschied vom Gross-Rechner. Am Ende dieser Stufe sind praktisch alle Programme, die es auf dem Grossrechner gab, auch für PC verfügbar. Richtig neue Entwicklungen bleiben dadurch aber weitgehend auf der Strecke. Nur wenige neue Software oder Erweiterungen kommen in der Folge des Umstieges.

Daran ändert auch der Siegeszug von Microsoft's - Windows nichts. Verfügbare Kapazitäten müssen in die Anpassungen gesteckt werden. Trotz meiner eher abschätzigen Haltung zu MS - Windows (Grafische Oberfläche, erfunden für Amerikaner, die nicht lesen und schreiben können..:-)) gelingt es mir noch auf die Windows Programmierung mit VisualBasic einzusteigen. Die Entwicklung der AGRIMACH Datenbanken und Anwendungen mit Multimedia - Elementen bringt nun doch etwas neues, nämlich bildbetontes in die triste Welt der Planer.

Natürlich war die Entwicklung des Internet anfangs auch mißtrauisch beäugt worden. Hatten viele Beteiligte doch noch mit Schrecken negative Erfahrungen aus der Bildschirmtext-Zeit in Erinnerung. Nachträglich kann ich schon sagen, dass ich diese Vorbehalte nicht teilte und es gab gute Gründe dafür. Erstens war die Vernetzung genial gelöst und fand ohne Navigation durch den Benutzer statt. Aber viel entscheidender für den Siegeszug war die unkomplizierte und einfache Erstellung der Web-Seiten selbst. Das Erstellen einer Internetseite war nicht schwieriger, als das Schreiben eines Dokumentes.

Meine Neugier hat mich dann irgend wann dazu getrieben, doch noch einmal etwas am Internet zu entwickeln. Es wird wohl die 15. oder 16. Programmierer- oder Entwicklersprache (Version) gewesen sein, die ich nun mit PHP ausprobierte. Es entstand eine kleine Online - Datenbank als Landtechnik-Archiv, in die Sie gerne durch ** Anklicken ** schauen können.

Nun läuft gegen Ende 2006 meine aktive Phase der Altersteilzeit aus, weshalb es mich doch freut, dass mit meiner Mitwirkung und engagierten Einsatz vieler KTBL-Kollegen der "Wirtschaftlichkeitsrechner Biogas" zur EuroTier 2006 noch erfolgreich etabliert werden konnte.
EuroTier Hannover, 2006 Vorstellung des Wirtschaftlichkeitsrechners Biogas auf der Fachmesse Eurotier, Hannover 2006
zuletzt geändert 30.11.2006